Autor: Karl Laurinat

  • Geschützt: Druckgrafik

    Geschützt: Druckgrafik

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  • Funktionen der Zeichnung

    Funktionen der Zeichnung

    Quellen:
    Grünewald, Dietrich (2009) (Hrsg.): Kunst entdecken. Oberstufe. Berlin: Cornelsen Verlag, S. 32f.

  • Grafische Gestaltungsmittel

    Grafische Gestaltungsmittel

    Zeichnen ist die Kunst, Striche spazieren zu führen.

    Paul Klee

    In der zeichnerischen Gestaltung bilden Punkt, Linie und Fläche die grundlegenden Elemente. Materialien und Oberflächen können durch den gezielten Einsatz von Linien nachgeahmt werden – die sogenannte Struktur. Gefüge von Linien bilden eine Schraffur, die im differenzierten Einsatz einen Hell-Dunkel-Kontrast erzeugen können. Diese Mittel sind das „Vokabular“ der Grafik und ermöglichen es Künstlerinnen und Künstlern, komplexe Inhalte, Atmosphären und Strukturen visuell umzusetzen.

    Albrecht Dürer, Selbstbildnis mit Kissen (Ausschnitt), 1493.
    Feder/Rohrfeder, Tusche auf Papier, 28 x 20 cm. The Metropolitan Museum of Art, New York.

    Punkt

    Der Punkt markiert den Beginn jedes zeichnerischen Ausdrucks. Er entsteht durch den ersten Kontakt des Zeichengeräts mit der Fläche – oft als bewusster gestalterischer Akt. In der Kunst kann eine Vielzahl von Punkten ein Bild strukturieren (vgl. Pointillismus), Kontraste erzeugen oder rhythmische Effekte hervorrufen.

    Paul Signac, Das Esszimmer, 1886/87.
    Bleistift und Tinte auf Japanpapier, 22 x 26 cm. Robert Lehmann Collection, The Metropolitan Museum of Art, New York.

    Eine Linie ist ein Punkt, der spazieren geht.

    Paul Klee

    Linie

    Die Linie ist das zentrale Mittel der zeichnerischen Darstellung. Ihre Erscheinung ist vielfältig: Sie kann klar konturierend, rhythmisch, fließend oder suchend sein.

    Schon einfachste Linien rufen bei ihrer Betrachtung unterschiedliche Wirkungen hervor, die aus Stimmungen und Gefühlen und aus menschlichen Raumerfahrungen resultieren.

    In der Zeichnung können Linien …

    • Konturen definieren (Konturlinie),
    • innere Strukturen sichtbar machen (Binnenlinie),
    • Materialeigenschaften vermitteln (materialangebende Linie),
    • räumliche Tiefe und Volumen/Körperhaftigkeit erzeugen (formgebende Linie),
    • oder den zeichnerischen Denkprozess abbilden (suchende Linie).

    In der bewussten Reduktion auf wesentliche Linien zeigt sich oft eine besondere zeichnerische Stärke.

    Struktur

    Neben den meist klar gesetzten Kontur- und Binnenlinien gibt es die materialangebenden Linien.

    Da es Zeichnern nahezu unmöglich ist, jedes Details seines Bildgegenstandes abzubilden (z. B. jeden Grashalm einer Wiese, jedes Blatt eines Baumes, jeden Ziegel eines Daches), müssen sie eine grafische Übersetzung sowohl für gewachsene und für gebaute Strukturen als auch für die Beschaffenheit von Oberflächen (= Textur) finden.

    Meist werden Linien verdichtet, um die Textur zu charakterisieren. Für Zeichner ist es besonders herausfordernd, grafische Entsprechungen für die unterschiedlichen haptischen Qualitäten zu entwickeln.

    Eine Wiese könnte beispielsweise durch locker aus dem Handgelenk gesetzte Linienbündel dargestellt werden, Dachziegel hingegen durch einige strenge waagerechte und senkrechte Linien. Eine stachelige Oberfläche kann durch kurze und harte Linien wiedergegeben werden, eine flauschige Textur eher durch lange, weiche Linien.

    Schraffur

    Gefüge aus parallel und eng neben- bzw. übereinander gesetzten Linien werden als Schraffuren bezeichnet. Linien, die parallel verlaufen, bezeichnet man als Parallelschraffur“ Überlagern sich parallele Linienbündel, spricht man von der Kreuzschraffur.

    Schraffuren, die der Form des Gegenstandes folgen, können beispielsweise gekurvt oder gebogen sein (formbeschreibende Schraffur). Die Kritzelschraffur kennzeichnet eine unruhige, bewegte Linienführung. Häufig finden sich in einer Zeichnung unterschiedliche Schraffur-Arten.

    Schraffuren dienen der Modellierung von Lichtverhältnissen und Körperlichkeit. Je nach Dichte und Richtung der Linien entstehen unterschiedliche Graustufen, die zur plastischen Darstellung von Gegenständen und Figuren beitragen.

    Rembrandt van Rijn, Die drei Bäume, 1643.
    Radierung, Kupferstich und Kaltnadel, 21 x 28 cm. Städel Museum, Frankfurt/Main.

    Hell-Dunkel

    Durch die Verdichtung von Punkten, Linien, Strukturen und Strukturen kann der Kontrast zwischen Hell und Dunkel herausgearbeitet werden. Je größer der Hell-Dunkel-Kontrast, desto größer ist die Spannung im Bild und es entsteht „Dramatik“. Man spricht auch vom „Geheimnis des Hell Dunkel“, weil die Wirkungen dieses grafischen Gestaltungsmittels so vielfältig sein können.

    Der Kontrast besitzt zum einen eine Ausdruckswirkung, da Helles in der Regel mit positiven Gefühlen assoziiert wird (z. B. Freundlichkeit, Heiterkeit, Leichtigkeit) und Dunkles eher mit negativen Gefühlen (z. B. Ernst, Schwere, Trauer).

    Mittels des Kontrastes können Licht und Schatten dargestellt und entsprechend Körperlichkeit und Räumlichkeit erzeugt werden. Der Grad der Helligkeit und Dunkelheit kann im Zusammenspiel Formen im Bild klar begrenzen (größtmöglicher Kontrast: weiß vs. schwarz) oder unscharf/weich begrenzen (oft in feiner Abstufung von Grauwerten).

    Die Verteilung und Größe der hellen und dunklen Partien im Bild hat einen entscheidenden Einfluss auf die Bildkomposition, sodass der Kontrast maßgeblich die Blickführung beeinflusst. Beispielsweise kann durch einen starken Hell-Dunkel-Kontrast ein Konzentrationspunkt bzw. -feld geschaffen werden.

    Fläche

    Die Fläche ist ein monochromes (= einfarbiges) Bildelement innerhalb der Grafik. Sie kann als eigenständiges Formelement wirken und klar definiert sein oder aus verdichteten Linien entstehen. Insbesondere die Zeichenmedien Tusche, Kohle und Kreide eignen sich hervorragend, von der Linie in die Fläche überzugehen, da Linien sehr breit gesetzt werden können.

    Die Fläche strukturiert den Bildraum, schafft Hell-Dunkel-Kontraste und trägt wesentlich zur Komposition eines Bildes bei. In der Druckgrafik – etwa im Holzschnitt oder Siebdruck – nimmt sie oft eine dominante Rolle ein.

    Erich Heckel, Weiße Pferde, 1912.
    Farbholzschnitt, 27 x 30 cm. Städel Museum, Frankfurt/Main.

    Formulierungshilfen, die dir bei der Analyse des Bildgrafischen helfen, findest du hier:

    Quellen:
    Bickelhaupt, Thomas (2014): Grafik. Theorie – Praxis – Geschichte. Stuttgart: Ernst Klett Verlag.
    Duden-Abiturhilfen (1994). Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich: Dudenverlag.
    https://kunstunterricht-ideen.de/

  • Bildspannung und -einheit

    Bildspannung und -einheit

    Unter Bildspannung und Bildeinheit verstehen wir den ästhetischen Gesamtzusammenhang aller Bildelemente.

    Bildspannung

    In der Gestaltung eines Bildes entsteht Spannung durch das Einbinden von Kontrasten, Verschiedenartigem oder Gegensätzlichem.

    Farbkontraste

    Groß-Kleinkontrast

    Kombination aus großen und kleinen Bildelementen
    >>> Lenken des Blickes, Suggerieren von räumlicher Tiefe

    Richtungskontrast

    Kombination unterschiedlich gerichteter Achsen (Vertikalen, Horizontalen, Diagonalen…)

    Formkontrast

    Kombination unterschiedlich ausgeprägter formaler Elemente (Punkte, Linien, Flächen) und Formen (rund, eckig, wellig, kantig, tektonisch, konstruiert, organisch)

    Hell-Dunkelkontrast

    Darstellen von Licht und Schatten  (z. B. durch Verdichtung von Linien oder unterschiedlichen Anpressdruck)
    >>> Suggerieren von Räumlichkeit

    Kontrast durch Andeutung und Ausformulierung

    Kombination aus feiner ausgearbeiteten Bildteilen und grafisch angedeuteten bzw. offenen Bildteilen

    Durch Monotones und die Reduktion von Kontrasten wirkt ein Bild spannungsarm.

    Caspar David Friedrich, Böhmische Landschaft mit dem Milleschauer, 1808.
    Öl auf Leinwand, 70 x 104 cm. Galerie Neue Meister, Albertinum, Dresden.

    Bildeinheit

    Durch Ähnliches, Gleiches und Wiederkehrendes wird in der Bildgestaltung Einheit erzeugt, beispielsweise durch ein wiederkehrendes Aufgreifen von…

    • bestimmten Formen,
    • grafischen Gestaltungsmitteln (Linien, Punkte, Flächen),
    • bestimmten Farbtönen,
    • Typographie,
    August Macke, Kinder mit Ziege, 1913.
    Öl auf Pappe, 24 x 34 cm.

    Quellen:
    Bickelhaupt, Thomas (2014): Grafik. Theorie – Praxis – Geschichte. Stuttgart: Ernst Klett Verlag.
    Duden-Abiturhilfen (1994). Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich: Dudenverlag.

  • Bildbewegung

    Bildbewegung

    Unter Bildbewegung versteht man die im Bild erscheinende Bewegtheit der dargestellten Situation und der Bildelemente.

    Grundlegend lassen sich als Gestaltungsprinzipien die Betonung der Bewegung und die Reduktion von Bewegung unterscheiden. Die Mittel, die diese Prinzipien verwirklichen, werden im Folgenden vorgestellt.

    Michelangelo, Die Erschaffung Adams, zwischen 1508 und 1512.
    Fresko, 280 x 570 cm. Sixtinische Kapelle, Vatikanstadt.

    Betonung der Bewegung

    Sowohl in der inhaltlichen als auch auch formalen Gestaltung eines Bildes können verschiedene Mittel den Bewegungseindruck steigern:

    • Darstellung von Bewegungshaltungen oder -situationen
    • lebhafte Mimik und Gestik
    • skizzenhafte Darstellung (bewegte Linien/Formen)
    • Betonung der Diagonalen, verschiedenartig gerichtete Achsen
    • gelöste Umrisse, verschwimmende Konturen
    • Ornamente, Strukturen, Kontraste
    • Darstellungsweise, die das Motorische des Schaffensaktes zeigt (z. B. getupfter Farbauftrag)
    Käthe Kollwitz, Tod und Frau, 1910.
    Strichätzung, Kaltnadel, Schmirgel, 45 x 45 cm. Städel Museum, Frankfurt am Main.
    Vincent van Gogh, Sternennacht, 1889.
    Öl auf Leinwand, 74 x 92 cm. Metropolitan Museum of Art, New York.
    Ernst Ludwig Kirchner, Straßenbild vor dem Friseurladen (Straßenszene), 1926.
    Öl auf Leinwand, 120 x 100 cm. Gemäldegalerie Neue Meister, Dresden.
    Max Slevogt, Seeräuber, 1914.
    Öl auf Leinwand, 74 x 95 cm. Gemäldegalerie Neue Meister, Dresden.

    Reduktion der Bewegung

    Folgende Mittel reduzieren den Bewegungseindruck in einem Bild:

    • Darstellung von ruhigen Haltungen oder unbewegten Bildgegenständen
    • Betonung der Waagerechten und Senkrechten
    • blockhafte Umrisse
    • Vermeiden von Kontrasten und Überdeckungen
    • Vereinfachung der Formen
    Meinert Hobbema, Allee von Middelharnis, 1689.
    Öl auf Leinwand, 103 x 141 cm. National Gallery, London.
    Leonardo da Vinci, Mona Lisa, 1503-1506.
    Öl auf Pappelholz, 77x53cm, Louvre, Paris.
    Pablo Picasso, Femme couchée lisant, 1939.
    Öl auf Leinwand.
    Caspar David Friedrich, Mondaufgang am Meer, 1822.
    Öl auf Leinwand, 55 x 71 cm. Alte Nationalgalerie, Berlin.