Autor: Karl Laurinat

  • Die Welt zeichnerisch erfassen: Ding-Studien

    Die Welt zeichnerisch erfassen: Ding-Studien

    Bevor man Dinge bedeutungsvoll gestalten kann, muss man sie genau sehen können. Die Künstler der Renaissance fertigten unzählige Studien an – Hände, Pflanzen, Stoffe, Tiere.

    Besonders Albrecht Dürer steht für diese intensive Auseinandersetzung mit der sichtbaren Welt.

    Zeichnen ist hier kein bloßes Abbilden. Es ist ein analytischer Prozess.

    • Wie verläuft eine Kontur?
    • Wo entsteht Schatten?
    • Wie verändert Licht die Oberfläche?
    • Welche Struktur besitzt ein Material?

    Fachbegriffe wie Schraffur (parallele Linien zur Erzeugung von Schatten), Tonwert (Helligkeitsstufe) oder Modellierung (Herausarbeiten plastischer Formen durch Hell-Dunkel) beschreiben diese Prozesse.

    In euren eigenen Studien wird es darum gehen, einen persönlich bedeutsamen Gegenstand mit unterschiedlichen zeichnerischen Mitteln zu untersuchen. Ziel ist nicht dekorative Wirkung, sondern bewusste Wahrnehmung.

    Zeichnen wird so zu einer Form des Denkens mit der Hand.

  • Die Renaissance-Kunst im Überblick

    Die Renaissance-Kunst im Überblick

    Grobe zeitliche Einordnung

    Der Übergang vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit ist geprägt durch veränderte Weltbilder und Geisteshaltungen, die im Folgenden an Bildbeispielen näher betrachtet werden.

    Wiedergeburt der antiken Ideale

    Das Ideal des Schönen

  • Zwischen Individualität und Idealisierung: Bildnisse der Renaissance

    Zwischen Individualität und Idealisierung: Bildnisse der Renaissance

    Die gravierenden Veränderungen, die sich in der Malerei im Übergang vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit, lassen sich besonders gut an einem Genre der Kunst nachvollziehen, das sich umfassend mit der Renaissance als eigenständige Bildgattung weiterentwickelt: dem Bildnis.

    Vor der Betrachtung von Bildbeispielen soll zunächst der Begriff „Bildnis“ definiert werden.

    Das Bildnis als Bildgenre

    Die künstlerische Darstellung eines bestimmten Menschen nennt man Bildnis und kann mit dem Begriff Porträt gleichgesetzt werden (lat. protrahere = hervorziehen und frz. portrait = Bild/Bildnis).

    Das Bildnis zielt darauf ab, das Wesen bzw. die Persönlichkeit des Porträtierten zum Ausdruck zu bringen. Es zeigt ein Individuum, oft mit Fokus auf Gesicht, Haltung und Kleidung, um den Charakter zu unterstreichen. Ein Porträt ist dabei jedoch mehr als eine bloße Abbildung; es will die innere Haltung/die Persönlichkeit oder den sozialen Status erfassen. Aufgabe eines Bildnisses kann es ebenfalls sein, einer Person ein Andenken zu bewahren oder nicht Anwesende zu „vertreten“ (bei Monarchen). 

    Das Bildnis kann der Realität entsprechen, den Dargestellten idealisieren oder sogar karikieren. Es lassen sich unterschiedliche Gattungen und Typen von Bildnissen unterscheiden:

    In Porträts können auch Dinge/Gegenstände eine entscheidende Rolle spielen: Kleidung, Bücher, Werkzeuge, Schmuck oder Landschaftshintergründe sind nicht zufällig gewählt. Sie verweisen auf Bildung, Macht, Beruf oder Weltanschauung.

    Der Begriff Habitus bezeichnet das sichtbare Auftreten einer Person – ihre Haltung, Kleidung und Gestik. Auch hier sind Dinge Teil dieser Erscheinung. Sie strukturieren das Bild und geben Hinweise auf Identität.

    Das Marienbildnis

    Maria erscheint in den Bildnissen der Renaissance nicht mehr ausschließlich als entrückte Himmelskönigin, sondern als menschlich erfahrbare Mutter. Sie sitzt in einer Landschaft, hält ein Kind fürsorglich im Arm, liest ein Buch, berührt eine Blume.

    Gerade hier zeigt sich die „Welt der Dinge“ in besonderer Dichte:

    • Der Apfel in der Hand des Kindes verweist auf den Sündenfall.
    • Die Lilie steht für Reinheit.
    • Ein Granatapfel kann Auferstehung symbolisieren.
    • Ein geöffnetes Buch verweist auf Weisheit oder göttliche Schrift.

    Solche Gegenstände nennt man Attribute – Beigaben mit festgelegter symbolischer Bedeutung. Ihre Deutung gehört zur Ikonografie, also zur Lehre von der Bildbedeutung.

    Doch entscheidend ist: Diese Dinge sind nicht abstrakt gemeint. Sie sind konkret gemalt. Man erkennt ihre Oberfläche, ihr Gewicht, ihre Materialität. Die Künstler verbinden präzise Naturbeobachtung mit religiöser Symbolik.

    Das macht diese Bilder so faszinierend: Sie bewegen sich zwischen spiritueller Bedeutung und sinnlich erfahrbarer Wirklichkeit.

    Das Ideal des Schönen: Die Mona Lisa

    Mari

    Exkurs: Das Porträt in der Moderne

    In der Moderne wird diese Idee weitergeführt: Ein Porträt muss nicht zwingend ein Gesicht zeigen. Ein Raum, eine Sammlung von Objekten oder ein arrangiertes Stillleben kann ebenso viel über eine Person erzählen.

  • Die Kunst des Mittelalters (ca. 500-1500)

    Die Kunst des Mittelalters (ca. 500-1500)

    Das Mittelalter war eine Epoche der tiefgreifenden Transformation in Europa, die von etwa 500 bis 1500 n. Chr. reichte. In einer Zeit, in der die katholische Kirche die zentrale Rolle im Leben der Menschen spielte, war der Glaube nicht nur eine private Angelegenheit, sondern durchdrang alle Aspekte des gesellschaftlichen Lebens. Die Menschen lebten in einem klar strukturierten Weltbild, das von der Überzeugung geprägt war, dass jede irdische Ordnung eine göttliche Ordnung widerspiegelte.

    Das Mittelalter ist geprägt von christlich-religiösen Vorstellungen. Die Vorstellungen von Himmel und Erde, von Diesseits und Jenseits, prägten die Denkweise der Menschen und beeinflussten maßgeblich ihre Kunst und Architektur. In dieser Zeit entstanden nicht nur prächtige Kirchen und Kathedralen, sondern auch eine Vielzahl von Plastiken und Bildern, die das religiöse Leben und die Geschichten der Heiligen visualisierten. Da jetzt das Streben der Menschen wesentlich auf das Heil der Seele bzw. das Fortexistieren im Jenseits orientiert ist, verlosch das künstlerische Bemühen um die greifbare irdische Schönheit des Körpers, den man als sündig und vergänglich ansah.

    Perikopenbuch Heinrichs II., Reichenau, Verkündigung an die Hirten, 1007-1012.
    Deckfarben auf Pergament, 28x 25 cm. Bayrische Staatsbibliothek München.

    Die Buchmalerei Verkündigung an die Hirten zeigt typische Merkmale mittelalterlicher Malerei:

    • flächig-lineare Darstellung
    • unrealistische Proportionen
    • Verwendung von Symbolfarben (z. B. Gold)
    • ausdrucksstarke Gebärden (Hände in zentraler Stellung)
    • Bedeutungsperspektive (d. h. wichtige Personen werden unabhängig von ihrer Position im Bild am größten dargestellt)

    Die Kunst wurde zum Medium, durch das der Glaube lebendig wurde und die Menschen in ihren spirituellen Bedürfnissen unterstützte. Diese Entwicklungen zeigen, wie eng Kunst, Architektur und die geistigen Strömungen des Mittelalters miteinander verwoben waren und wie sie dazu beitrugen, eine kulturelle Identität zu formen, die bis in die heutige Zeit nachwirkt.

    Das Mittelalter lässt sich in drei Hauptperioden unterteilen: das Frühchristentum, die Romanik und die Gotik. Jede dieser Perioden hat ihre eigenen Merkmale und Ausdrucksformen, die die kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung der damaligen Zeit widerspiegeln.

  • Gestalten mit Ton

    Gestalten mit Ton

    Schon früh in der Kulturgeschichte erkannten Menschen, dass sich aus Tonerde, die aus verschiedenen feinkörnigen Mineralien besteht, Gefäße und Kunstgegenstände herstellen lassen. Je nach ihrer Zusammensetzung zeigt die Tonerde unterschiedliche Eigenschaften und Farben.

    Ton kann so lange durch Modellieren bearbeitet werden, bis er anfängt auszuhärten. Daher muss er beim Unterbrechen des Arbeitsvorgangs in feuchte Tücher eingewickelt werden, damit die Form nicht schwindet. Unter Schwindung versteht man das Entweichen des Wasseranteils im Ton. Ist die Form fertig, wird sie gebrannt. Die Brenntemperatur hängt von der Art des Tons und vom gewünschten Zweck der gestalteten Form ab. Es ist viel Materialerfahrung nötig, um eine ebenmäßige und bruchsichere Form herzustellen. Wird die Tonform nicht gebrannt, bleibt sie sehr empfindlich.

    Ton lässt sich auf verschiedene Weise formen. Eine Möglichkeit ist das Aufbauen aus Streifen, Wülsten oder Platten, eine andere das Modellieren mit den Händen oder Modellierwerkzeugen. Symmetrische Formen lassen sich auf einer schnell rotierenden Drehscheibe herstellen. Wenn man der Tonerde reichlich Wasser beimengt, lässt sich das Material auch gießen. Dabei ist die Schwindung beim Trockenvorgang besonders hoch.

    Im folgenden Dokument findest du Anregungen für das Modellieren von Tongefäßen und Kleinplastiken: