Das Mittelalter war eine Epoche der tiefgreifenden Transformation in Europa, die von etwa 500 bis 1500 n. Chr. reichte. In einer Zeit, in der die katholische Kirche die zentrale Rolle im Leben der Menschen spielte, war der Glaube nicht nur eine private Angelegenheit, sondern durchdrang alle Aspekte des gesellschaftlichen Lebens. Die Menschen lebten in einem klar strukturierten Weltbild, das von der Überzeugung geprägt war, dass jede irdische Ordnung eine göttliche Ordnung widerspiegelte.
Das Mittelalter ist geprägt von christlich-religiösen Vorstellungen. Die Vorstellungen von Himmel und Erde, von Diesseits und Jenseits, prägten die Denkweise der Menschen und beeinflussten maßgeblich ihre Kunst und Architektur. In dieser Zeit entstanden nicht nur prächtige Kirchen und Kathedralen, sondern auch eine Vielzahl von Plastiken und Bildern, die das religiöse Leben und die Geschichten der Heiligen visualisierten. Da jetzt das Streben der Menschen wesentlich auf das Heil der Seele bzw. das Fortexistieren im Jenseits orientiert ist, verlosch das künstlerische Bemühen um die greifbare irdische Schönheit des Körpers, den man als sündig und vergänglich ansah.

Deckfarben auf Pergament, 28x 25 cm. Bayrische Staatsbibliothek München.
Die Buchmalerei Verkündigung an die Hirten zeigt typische Merkmale mittelalterlicher Malerei:
- flächig-lineare Darstellung
- unrealistische Proportionen
- Verwendung von Symbolfarben (z. B. Gold)
- ausdrucksstarke Gebärden (Hände in zentraler Stellung)
- Bedeutungsperspektive (d. h. wichtige Personen werden unabhängig von ihrer Position im Bild am größten dargestellt)
Die Kunst wurde zum Medium, durch das der Glaube lebendig wurde und die Menschen in ihren spirituellen Bedürfnissen unterstützte. Diese Entwicklungen zeigen, wie eng Kunst, Architektur und die geistigen Strömungen des Mittelalters miteinander verwoben waren und wie sie dazu beitrugen, eine kulturelle Identität zu formen, die bis in die heutige Zeit nachwirkt.
Das Mittelalter lässt sich in drei Hauptperioden unterteilen: das Frühchristentum, die Romanik und die Gotik. Jede dieser Perioden hat ihre eigenen Merkmale und Ausdrucksformen, die die kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung der damaligen Zeit widerspiegeln.

